Landkreis provoziert Streitigkeiten auf dem Steinbeckweg

Klare Regeln, die die Mehrheit der Bevölkerung als gut und richtig anerkennt, sichern den sozialen Frieden und den gesellschaftlichen Zusammenhalt.

Unklare oder widersprüchliche Regeln untergraben das Vertrauen der Bevölkerung in Politik und Verwaltung und in deren Regelungskompetenz. Verstärkt wird der Vertrauensverlust, wenn Behörden mangelhafte Regeln nicht nachbessern oder willkürlich auslegen, sondern herumlavieren und den Eindruck vermitteln: „Schrei‘ Du nur. Gegen uns kommst Du nicht an.“ So ein Verwaltungshandeln führt zu Politikverdrossenheit und einem Werteverfall. Am Ende macht jeder, was er will. Wo kein Kläger ist, da ist kein Richter. Und wo ein Kläger ist, da müssen Gerichte klären, wozu Politik und Verwaltung nicht in der Lage waren.

Im konkreten Fall provozieren die Schilder mit den Radfahrverbotspiktogrammen – hoffentlich nur verbale – Auseinandersetzungen zwischen Menschen, die sich auf die Hinweisschilder (Radfahren verboten), und Menschen, die sich auf die Schutzgebietsverordnung (Radfahren erlaubt) berufen. Beide glauben sich im Recht. Verantwortlich ist der Landkreis.

Dieser Anlass für Streitigkeiten muss beseitigt, der Rechtsfrieden gesichert werden. Das ist einfach. Denn die Rechtslage ist klar: Bürgerrechte dürfen nur aufgrund von Gesetzen und Verordnungen eingeschränkt werden. Im Naturschutzgebiet (NSG) „Aueniederung und Nebentälter“ gilt die im Dezember 2018 Recht gewordene Schutzgebietsverordnung. Darin ist das Fahrradfahren geregelt. Unter  § 3 Abs. 1 Satz 2 Nr. 15 steht, untersagt ist, „das Gebiet außerhalb gekennzeichneter Wege mit Fahrrädern zu befahren.“ Das bedeutet im Umkehrschluss, dass Fahrradfahren auf gekennzeichneten Wegen erlaubt ist.
Zwei Jahre später, im Dezember 2020, kennzeichnete der Landkreis den Steinbeckweg mit über 20 Schildern, die auf das NSG hinweisen und mit einem Radfahrverbotspiktogramm fälschlich den Eindruck vermitteln, das Radfahren sei auf diesem Weg verboten.
Diese Piktogramme sind zu entfernen.

Im Januar diesen Jahres wies ich den Landkreis erstmals auf den Widerspruch zwischen der maßgeblichen Verordnung und den Verbotspiktogrammen auf den Hinweisschildern hin. Das angebliche Radfahrverbot war seitdem Thema im zuständigen Kreisausschuss und in Gesprächen mit den Kreistagsmitgliedern und Landratskandidaten Björn Protze (SPD) und Kai Seefried (CDU). Dennoch wurde der Widerspruch bis heute nicht aufgelöst.

Weil Politik und Verwaltung bisher versagten, müssen wohl wieder die Gerichte entscheiden. Als wenn die nicht genug zu tun hätten. Oder gibt es eine andere Möglichkeit als eine Selbstanzeige wegen Fahrradfahrens auf dem gekennzeichneten Steinbeck-Wanderweg und den Marsch durch die Instanzen? Wie lange dauert das? Wie lange soll die Rechtsunsicherheit fortbestehen? Geht das wirklich nicht anders?

So ist das Fahrradfahren in NSG im Landkreis geregelt: Liste (PDF)

Landkreis weitet Radfahrverbot aus

Der Landkreis weitet das Radfahrverbot auf das gesamte Naturschutzgebiet (NSG) „Aueniederung und Nebentäler“ aus.

Dr. Uwe Andreas, Leiter des Naturschutzamtes, schrieb mir am 19.5.21 im Auftrag des Landkreises:
„Ihre Frage, ob die Verbotsvorschrift des § 3 Abs. 1 Satz 2 Nr. 15 der Naturschutzgebietsverordnung Aueniederung und Nebentäler das Fahrradfahren im gesamten NSG-Gebiet erfasst, mithin auch den Steinbeck-Wanderweg, und ob das Befahren eines Weges innerhalb des NSG-Gebietes mit dem Fahrrad nur dann zulässig ist, wenn dieser Weg dafür besonders gekennzeichnet ist, muss somit nach der Rechtsprechung eindeutig mit JA beantwortet werden.“

Ich verstehe diese Aussage so, dass das Fahrradfahren nach Auffassung des Landkreises auch auf folgenden Wegen im NSG Aueniederung und Nebentäler verboten und mit Bußgeld bedroht ist:

  • Kakerbeck – Doosthof, Auequerung/Weg(e) zur Aue
  • Ohrensener Weg zwischen Hollenbeck und Ohrensen Bahntunnel und Auequerung
  • Ohrensener Weg – Klein Hollenbeck, südlich der Bahnlinie
  • Ohrensener Weg – Bargstedt, nördlich der Bahnlinie
  • Ohrensener Weg – Heuberg/Harsefelder Straße
  • Ohrensener Weg – Am Bockelfeld
  • Wiesenweg – Harsefelder Straße
  • Brandenweg Steinbeck-Brücke
  • Bockelsberg – Brandenweg
  • Daudiecker Weg
  • Daudieck – Bliedersdorf
  • Horneburg Mühlenkamp – Postmoor
  • Horneburg Mühlenkamp – Horneburg Auedamm zwischen B73 und Bahnlinie

Bei den Beratungen über die Neufassung der Schutzgebietsverordnung im April 2018 im Bau- und Verwaltungsausschuss des Flecken Harsefeld ließ der „Verordnungsgeber“, also der Landkreis, noch verlauten, dass es keine Ausweitung der Nutzungseinschränkungen geben werde. Nur deshalb stimmten die Ratsmitglieder damals zu, siehe Vorlage 2018/FL-0195.

Das soll nun nicht mehr gelten?

Ich gehe davon aus, dass der „Verordnungsgeber“ die Harsefelder Ratsmitglieder damals nicht belogen hat. Ich glaube, er war willens und der Meinung, die neue Verordnung so formuliert zu haben, dass es zu keinen weiteren Nutzungseinschränkungen kommt.

Was bedeutet das für uns Bürgerinnen und Bürger und für die Kommunen im Landkreis, wenn der Landkreis eigene Vordnungen heute so und morgen anders auslegt?

Was bedeutet das für uns, wenn der Landkreis juristisch spitzfindig wird und anmerkt, man hätte ja vor 2 Jahren gegen die neue Verordnung klagen können. – Allerdings sagte er damals ja, es werde keine Nutzungseinschränkungen geben…

Sollen wir darauf vertrauen, dass der Landkreis schon nicht einschreitet, wenn man doch im Naturschutzgebiet Fahrrad fährt? Er schreitet ja auch nicht gegen in Niedersachsen verbotene Schottergärten ein. Weil er kein Personal dafür hat, ließ der Landrat verlauten. Und ob den Bebauungsplänen entsprechend gebaut wird, kann er auch nicht prüfen.

Haben Gesetze und Verordnungen nicht den Sinn, dass wir alle wissen, an welche Regeln wir uns zu halten haben, damit ein geordnetes, friedliches Zusammenleben möglich ist?

Sollte der Landkreis nicht wenigstens bei selbstverfassten Verordnungen an der urspünglich zugeschriebenen Bedeutung festhalten?

Muss man im Kreis Stade immer damit rechnen, dass der Landkreis einen drankriegen könnte, weil es ihm in den Sinn kommt, Gesetze und Verordnungen neu auszulegen?

Dieselbe Formulierung zum Fahrradfahren außerhalb gekennzeichneter Wege findet sich übrigens auch in der Verordnung zum NSG Braken und Harselah. Das heißt, dass auch hier „das Befahren eines Weges innerhalb des NSG-Gebietes mit dem Fahrrad nur dann zulässig ist, wenn dieser Weg dafür besonders gekennzeichnet ist„.

An welchen Kennzeichen erkennen Radfahrerinnen und Radfahrer, dass das Fahrradfahren erlaubt ist?

Gibt es eigentlich einen vernünftigen Grund dafür, dass rücksichtsvolle Fahrradfahren auf Wegen in Naturschutzgebieten zu verbieten?

In den meisten Naturschutzgebieten im Landkreis gibt es keine Spezialregelung für das Fahrradfahren, siehe diese Liste. Die macht auch keinen Sinn, weil fahrradfahren die Natur nicht stärker beeinträchtigt als wandern. Mit gefällt die Regelung im in der Verordnung zum NSG „Moore bei Buxtehude“:
„Gemäß § 24 Abs. 2 Satz 2 NNatG darf das NSG außerhalb der Wege nicht betreten oder auf sonstige Weise aufgesucht werden. Als Wege gelten nicht Trampelpfade, Wildwechsel, Waldschneisen und Rückelinien.“

Eine Beschilderung ist damit nicht notwendig. Kein Rätselraten, was genau unter einem gekennzeichneten oder befestigten Weg zu verstehen ist. Und eine Klarstellung, was nicht als Weg zählt.

Steinbeckweg – angebliches Radfahrverbot unwirksam

Das angeblich bestehende Radfahrverbot auf dem „Steinbeck-Wanderweg“ dürfte unwirksam sein.

Auf mündliche Nachfrage im Kreisausschuss für Regionalplanung und Umwelt am 26.1.21 antwortete der Leiter der Unteren Naturschutzbehörde, Herr Dr. Andreas, die Verhängung des Radfahrverbotes sei ein Irrtum. Auf dem gekennzeichneten Steinbeck-Wanderweg sei Radfahren erlaubt. Die versehentlich installierten Schilder würden ausgetauscht.

Irrtümer zugeben und Folgen beseitigen. So wünsche ich mir unsere Verwaltungen. Fehler können schließlich jedem passieren und sie zuzugeben ist ein Zeichen von Stärke und schafft Vertrauen.

Radfahrverbotspiktogramm – irreführend und falsch

Keine Ahnung, warum der Landkreis die Äußerungen von Herrn Dr. Andreas schon am nächsten Tag schriftlich revidierte und im März ein weiteres Mal behauptete, es gäbe ein Radfahrverbot auf dem Steinbeckweg.

Tatsächlich gibt es das nach Einschätzung eines von mir zu Rate gezogenen Rechtsanwaltes nicht. Denn – im Gegensatz zu Verkehrsschildern – haben die roten Hinweisschilder mit dem Radfahrverbotspiktogramm keinerlei Regelungscharakter. Die Schilder weisen lediglich auf das Naturschutzgebiet und die für dieses geltende Schutzgebietsverordnung hin. Was erlaubt ist und was nicht, das regeln die Schutzgebietsverordnung und das Niedersächsische Waldgesetz. Danach ist Fahrradfahren auf allgemein „gekennzeichneten Wegen“ bzw. auf „tatsächlich öffentlichen Wegen gestattet“. Um einen solchen Weg handelt es sich bei dem sogenannten „Steinbeck-Wanderweg“.

Ich gehe davon aus, dass der Landkreis demnächst so verfahren wird, wie im Januar von Herrn Dr. Andreas angekündigt und die versehentlich installierten Schilder austauscht.

 

Steinbeckweg – Radfahrverbot angeblich rechtens

Ein Versehen? So einfach ist es wohl doch nicht.

Die Verordnung gibt kein Radfahrverbot her

Vielleicht wurde das Radfahrverbot am Leiter der Unteren Naturschutzbehörde (UNB) vorbei angeordnet. Schon sonderbar, was im Landkreis passiert.

Jedenfalls erhielt ich am Tag nach der Ausschusssitzung, in welcher die „Versehens-Äußerung“ gefallen war, ein Schreiben vom Landkreis und 2 Tage später eine Stellungnahme im Auftrag der zuständigen Dezernentin, dass das Radfahrverbot gewollt, zweckmäßig und rechtens sei.

Letzteres darf bezweifelt werden.

Nach der Verordnung von 1997 und der aktuellen Verordnung von 2018 über das Naturschutzgebiet (NSG) „Aueniederung und Nebentäler“ (NSG-LÜ 216) ist es verboten, das NSG außerhalb gekennzeichneter Wege zu betreten oder zu befahren. Bei dem „Steinbeck-Wanderweg“ genannten Weg handelt es sich um einen gekennzeichneten Weg. Das sieht der Landkreis auch so.

Gekennzeichnete Wege dürfen mit Fahrrädern befahren werden.

Weiter heißt es in dem Schreiben: „Neben diesen (Natur-)Schutzzielen soll das landschaftlich reizvolle Gebiet auch für die Öffentlichkeit zugänglich sein und ein besonderes Naturerleben ermöglichen.

Warum dann das Verbot? Aus den Verordnungen lässt es sich nicht ableiten.

Das begründet der Landkreis mit Begegnungskonflikten auf dem engen Weg. Diese spiegeln sich letztendlich in der schlechten Wegebeschaffenheit durch Reiter und Radfahrer wieder. Das Wandern auf dem Weg wird dadurch immer schwieriger und in der Folge entstehen neue Pfade als Ausweichstrecken im Gelände.

Soso, die Radfahrer und Reiter haben den Weg so schlimm zugerichtet… Als weitere Gründe für die Sperrung auf dem gekennzeichneten Weg nennt der Landkreis, Mountain-Biker, die das NSG außerhalb der Wege befahren – was ohnehin verboten war und ist – sowie die Tatsache, dass der Weg teilweise über Privatgrund führt. Das ist nicht erst seit dem Eigentümerwechsel so.

Die Frage also, mit welchem Recht das Fahrradfahren auf dem gekennzeichneten Weg verboten wurde, bleibt weiter offen.

Der Steinbeckweg ist seit Generationen ein beliebter Waldweg, der ohne Probleme und ohne besondere Einschränkungen von Fußgängern, Radfahrern und Reitern(?) genutzt wurde. Meist ist er ein Wirtschaftsweg, breit genug für 2-spurige Fahrzeuge. – Ich wurde in Harsefeld geboren und kenne den Weg seit meiner Kindheit.

Im Gegensatz zu vielen Nebenwegen handelt es sich bei dem Steinbeckweg um die Hauptroute durch das landschaftlich reizvolle Steinbecktal. Dieser Weg wird auch gerne von Radfahrern auf etwas weiteren Touren um den Block oder für ausgedehnte Touren durch Aue-, Steinbeck- und Estetal gewählt. Attraktive Alternativen durch das Steinbecktal gibt es nicht für Radfahrer.

Die schlechte Wegbeschaffenheit und die Engstellen sind das Ergebnis unterlassener Reparaturen nach Waldarbeiten mit schweren Maschinen und mangelhafter Pflege des Weges und nicht etwa das Ergebnis der Nutzung durch Radfahrer und Reiter, wie es der Landkreis behauptet. Diese Mängel gehören beseitigt! Denn sie sind es, die dazu führen, dass insbesondere Fussgänger an vielen Stellen den Weg unerlaubt verlassen, um die schadhaften Stellen, meist tiefe Matschlöcher, zu umgehen, nicht die Radfahrer!

Nach meinen Informationen möchte ein neuer Waldbesitzer seinen Wald am liebsten ganz für die Öffentlichkeit sperren. Der Landkreis hat sich anscheinend darauf eingelassen, indem er vorerst(?) Radfahrer und Reiter von der Nutzung ausschließt. Radfahrer zerstören keine intakten Wege. Die Schäden und Ausweichwege als Rechtfertigung für ein Radfahrverbot heranzuziehen, halte ich für unzulässig, weil das Radfahren dafür nicht ursächlich ist.

Alle wollen, dass wir uns mehr an frischer Luft bewegen und so etwas für unsere Gesundheit tun. Mit der Sperrung für Radfahrer hat der Landkreis das Interesse Einzelner über das Gemeinwohl gestellt, offenbar ohne vorher mit den Touristikern und den betroffenen Kommunen zu sprechen.

Das ist nicht in Ordnung!

Unten ein paar Links zu Veranstaltungen, die auf weiten Strecken über genau solche Wege wie den Steinbeckweg führen und so Werbung dafür machen, dass die Teilnehmer mit ihren Familien wiederkommen.

Allzeit pannen- und unfallfreie Fahrt wünscht
Ralf

Transbrandenburg

Transbrandenburg – 3 Tage querfeldein

Hanse Gravel – Von Hamburg nach Stettin

Hansegravel und zurück – 1080 km in 7 Tagen

Holy Gravel – Von Hamburg eine Runde durch Schleswig-Holstein
https://holygravel.de/

Steinbeck-Wanderweg für Radfahrer gesperrt? Ein Versehen…

Kürzlich mussten wir feststellen, dass von der Unteren Naturschutzbehörde (UNB) am Steinbeck-Wanderweg Schilder aufgestellt wurden, die die Benutzung des Weges durch Radfahrer untersagen.

Eine schriftliche Nachfrage beim Leiter der UNB blieb bis heute unbeantwortet.

Erst eine Nachfrage der Vorsitzenden der Grünen Fraktion im Kreistag, Verena Wein-Wilke, bei der UNB brachte Aufklärung und zwar:

Radfahren ist auf markierten Wegen erlaubt. Auf dem sogenannten Steinbeck-Wanderweg (zwischen Brandenweg und Rutenbeck) ist Radfahren deshalb erlaubt. Die versehentlich installierten Schilder werden ausgetauscht.

Wenn Du also auf dem Steinbeck-Wanderweg als Radfahrer einem Fußgänger begegnest und dieser Dich wegen Deines vermeintlichen Regelverstoßes anspricht, dann bleibe freundlich und kläre den Fußgänger auf. Woher soll der Fußgänger wissen, dass das Radfahrverbot versehentlich falsch ausgeschildert wurde?

Allzeit pannen- und unfallfreie Fahrt wünscht
Euer RSC Harsefeld

Hansegravel und zurück – 1080 km in 7 Tagen

Radsportkollegen hatten die schöne Idee, zu einer Gravelbike-Tour auf dem Hanseatenweg des Wandervereins Naturfreunde Deutschland e.V. einzuladen. Der Wanderweg führt über Hamburg nach Stettin. Die Radsportkollegen passten den Track leicht an u.a. indem sie den Startort auf die Elbhalbinsel Entenwerder und den Zielort zum Bahnhof Stettin verlegten und kreierten so den Hansegravel. Am 25. April 2019 fand die Premiere statt. Ich war angemeldet, konnte aber verletzungsbedingt nicht teilnehmen. Für 2020 stehen neben mir über 200 Biker auf der Starterliste. Jedoch fiel die Tour coronabedingt aus.

Die Hansekogge wies uns den Weg

Jens W. und ich hatten nach der Harzreise noch eine Woche Zeit und Lust, den deutschen Osten zu erkunden. So beschlossen wir, vom 2. bis 8. Oktober den Hansegravel von zu Hause aus zu zweit unter die Räder zu nehmen. Von Stettin aus sollte es durch die Mecklenburger Seenplatte zurück gehen. Wir peilten 150km pro Tag an und buchten die Unterkünfte im Voraus so, dass wir sie möglichst bis zum geplanten Anreisetag 18 Uhr kostenlos stornieren konnten. In Ueckermünde nutzten wir diese Möglichkeit. Eine knappe Stunde vor Ultimo stornierte ich die Buchung der Ferienwohnung in der abgelegenen „Lagunenstadt Ueckermünde“ und buchte ein inzwischen neu angebotenes Zimmer im Hotel Am Markt im Stadtzentrum.

Am Freitagmorgen ging es los. Jens radelte von Stade aus zum Treffpunkt in Neukloster und bekam einen Regenschauer ab. Ich blieb zum Glück trocken. Bis auf den letzten Tag der Tour sollte das auch so bleiben. Die übrige Zeit genossen wir wunderbares Herbstwetter mit viel Sonne und herrlich frischer Luft. Das Laub hatte schon eine schöne Färbung, hielt aber meist noch an den Bäumen, so dass es heikle Stellen auf den vielen Geländeabschnitten nicht verdeckte.

Kunst am Feldweg

Hatten wir Pannen? Jein. Ungefähr bei Kilometer 70 spritzte plötzlich mit lautem Zischen Dichtmilch aus meinen 35mm Schwalbe G One Allround Reifen, die ich auf 5 bar aufgepumpt hatte. Die Milch klebte an meinen Beinen, dem Rahmen und der Satteltasche („Arschrakete“). Ich radelte weiter. Das Zischen wurde seltener und hörte schließlich ganz auf. Das Loch war dicht und ich war „Schlauchlos glücklich“ 🙂 Luft pumpten weder Jens noch ich während der 7 Tage nach. Ich hatte es wegen des geringeren Luftdrucks hinten nun etwas komfortabler. Alles gut.

Und sonst? Wir sammelten massenhaft Eindrücke, die erstmal sortiert werden wollen. Die meisten Trails befanden sich auf den ersten 150 Kilometern vor Travemünde. In Mecklenburg-Vorpommern kamen wir durch kleine Orte, die anscheinend keine Straße verdient hatten und nur über Sandwege zu erreichen waren. Der Weg führte auch durch das als „Nazidorf“ bekannte Jamel bei Grevesmühlen (km 196).

Betonplattenwege kamen häufiger vor. Hier ließ sich der Mittelstreifen gut befahren.

Gut in Erinnerung blieben allerdings die meist in tollem Zustand befindlichen ruhigen Nebenstraßen und Wirtschafts- und Radwege durch Felder und Wälder mit sehr wenig Verkehr.

Am Strand bei Fliemstorf vor Wismar (km 208)

Auf dem Radweg an der Küste Usedoms sehe ich noch die Schilder vor mir, die 16% Steigung ankündigten und teilweise bei Abfahrten Radfahrer aufforderten lieber abzusteigen. Solch welliges Gelände mit solchen Prozenten hätte ich nicht auf Usedom erwartet.

Grenzübergang (km 628 und 670)

Schließlich erreichten wir die deutsch-polnische Grenze und machten uns auf den Weg ins von dort aus ca. 20 Kilometer entfernte Stettin. „Eine lebendige Stadt baut!“ las ich mal im Stau stehend in Hamburg. Wenn das stimmt, dann ist Stettin und die Region bis dahin sehr lebendig! Bis kurz vor die Stadt führten bestens asphaltierte nagelneue breite Radwege. Dann kam die Baustelle und es wurde unschön. Der Track führt meist durchs Grüne ins Stadtzentrum, wo auch Straßen aufgerissen und heftige Bautätigkeiten im Gange waren. Wir fragten uns, was genau wir in Stettin wollten (außer dorthin zu radeln), uns fiel nichts ein und wir drehten um. Der von mir zuhause am Computer gewählte Weg aus der Stadt war übel. Teilweise sehr schlechte Straßen, die noch auf eine Sanierung warteten und recht viel Verkehr. Schon bald rollten wir wieder über den neuen Radweg zur Grenze, den wir von der Einreise kannten.

Am Elde-Müritz-Kanal zwischen Kuppentin und Bobziner Schleuse (km 854)

Der Rückweg gestaltete sich insgesamt wenig spektakulär. Bei der Planung folgte ich meist den Empfehlungen von Komoot für Gravelbikes. Der Asphaltanteil war jetzt deutlich höher. Es war eben kein Wanderweg. Es ging über Neubrandenburg, Waren, dem Haupturlaubsort an der Müritz – dort gönnten wir uns einen Kaffee – und Lübz (!) nach Neustadt-Glewe, wo wir uns ins Schlosshotel eingebucht hatten. Die letzte Übernachtung der Tour. 2 Kilometer vor diesem Ziel begann es leicht zu regnen. Und – meine elektronische Shimano Di2-Schaltung begab sich in den Notbetrieb. Ich hatte den Akku zuletzt vor der Harztour geladen und seitdem auch wegen des Stadtradelns zahlreiche Kilometer zurückgelegt. Notbetrieb heißt: Die Kette liegt auf dem kleinen Blatt und bleibt dort. Der Umwerfer ist so geparkt, dass die mittleren 8 von 10 Ritzeln ohne Schabgeräusche Kette/Umwerfer zu fahren sind. Mit vollständig entladenem Akku ist auch hinten kein Schalten mehr möglich. Das war mir bisher noch nie passiert und ich machte mir Sorgen, ob ich die morgige letzte Etappe mit knapp 170 Kilometern SingleSpeed fahren müsste. Zum Glück passierte das nicht. Wie ich erlebte und später im Di2-Handbuch nachlas, kann man im Notbetrieb mehrere hundert Kilometer zurücklegen.

Dafür fuhren wir am letzten Tag über 100 Kilometer im Regen. Deswegen störte es uns wenig, dass dieser Abschnitt meist auf Radwegen an teilweise stark befahrenen Bundesstraßen in Richtung Heimat führte.

Insgesamt war es wieder eine schöne Tour mit Jens. Zusammen haben wir schon einige Kilometer abgerissen. Mal sehen, was als nächstes kommt.

Allzeit unfall- und pannenfreie Fahrt wünscht
Ralf

Harztour RR

Jens W. meinte, er hätte etwas Zeit. Wir könnten in den Harz fahren. Motorrad oder Rennrad? Wir entschieden uns für das Rennrad.

Mittwoch radelten wir los.

Donnerstag drehten wir eine Runde im Harz und häuften ein paar Höhenmeter an.

Freitag ging es zurück – mit Rückenwind 🙂

Entgegen der Vorhersage blieb es an allen Tagen trocken. Auf der Hinfahrt blies der Wind von schräg vorn. Unschön war die Fahrt von Beetenbrück bis vor Hannover: Schlechte oder keine Radwege und viel – auch Lkw-Verkehr mit teilweise wenig Überholmöglichkeiten. Nicht empfehlenswert.

Ansonsten war es eine schöne Tour. Hat Spaß gemacht. Auch der würdige Abschluss bei Paolo.

Allzeit unfall- und pannenfreie Fahrt wünscht
Ralf

Stadtradeln 2020 – Mach‘ mit!

In diesem Jahr findet das Stadtradeln im gesamten Landkreis Stade statt. Das ist super!

Die Federführung für die Organisation von Veranstaltungen hat der Landkreis übernommen und – der Landkreis hat, unter Hinweis auf Corona, keine Veranstaltungen oder gemeinsamen Ausfahrten organisiert bzw. alles abgesagt …

Die aktuellen Corona-Beschränkungen lassen Veranstaltungen und gemeinsame Ausfahrten zu. Deshalb machen wir selbst Werbung dafür:
Wer sportlich radfahren möchte, ein Rennrad und/oder ein Mountainbike (MTB) sowie einen Helm besitzt, ist herzlich willkommen. Nicht nur während des Stadtradelns, sondern auch bei unseren regelmäßigen Veranstaltungen: unseren Dienstagstrainings und Stammtischen sowie bei Extratouren, die wir meist auf dieser Seite ankündigen.

Hier also unsere „Stadtradeln“- Ausfahrten, selbstverständlich unter Beachtung der Corona-Auflagen. Alle Touren beginnen am August-Hillert-Platz (Platz gegenüber vom Eiscafé Dante)

  • Dienstag, 8.9.20, 18:30 Uhr
    MTB– oder Gravelbike-Runde, 20 bis 25km, Dauer ca. 1,5 Stunden
  • Dienstag, 15.9.20, 18:30 Uhr
    Rennradrunde, ca. 50km, Dauer gut 1,5 Stunden
  • Sonntag, 20.9.20, 8:30 Uhr
    Rennradrunde nach Cuxhaven und zurück, ca. 210km, Dauer ca. 8 Stunden. Wer mag, fährt mit der Bahn zurück. Wir kommen am Bahnhof vorbei.
  • Dienstag, 22.9.20, 18:30 Uhr
    MTB– oder Gravelbike-Runde, 20 bis 25km, Dauer ca. 1,5 Stunden

Bitte melde Dich an unter info@rsc-harsefeld.de. Gib‘ wg. Corona Familienname, Vorname, die vollständige Anschrift und eine Telefonnummer an. Dann müssen wir bei Deiner Teilnahme keinen Papierkram erledigen.

So steht unser Team im Moment da:

 

Du bist herzlich eingeladen, unserem Team beizutreten und mit uns Kilometer zu sammeln: https://www.stadtradeln.de/harsefeld

Hoffentlich bis bald.

„Steinbecktrail“ für die Waldlebensgemeinschaft

Lange Zeit war der „Steinbecktrail“, ein Wanderweg am Bachlauf des Steinbecks zwischen dem Bahndamm und dem „Wanderweg“ zwischen „Hahnenbalken“ und Ruschwedel, ein Geheimtipp, den nur die Ruschwedeler kannten.

Durch das Aufkommen von Internet-Routing-Portalen z.B. Komoot und die zunehmende Nutzung von Wander- und Fahrradnavigationssystemen z.B. von Garmin oder Wahoo erlangte der schöne Weg weit über die Kreisgrenzen hinweg Bekanntheit und wurde dementsprechend häufiger benutzt.

Die Untere Naturschutzbehörde verhängte nun ein Betretungsverbot und beschilderte den Weg entsprechend.

Hinweis auf Betretungsverbot am „Wanderweg“

Wir werden das Verbot respektieren und bitten hiermit auch unsere Freunde, das zu tun. Der Wald und seine Tiere brauchen Raum.

Der Weg führt durch das Naturschutzgebiet (NSG) „Aueniederung und Nebentäler NSG LÜ 216“. Die Fläche, an der er verläuft, ist ein Beitrag Niedersachsens zur „Natürlichen Waldentwicklung (NWE)„:

Am 7. November 2007 hat die Bundesregierung die „Nationale Strategie zur biologischen Vielfalt“ (kurz: NBS) beschlossen. Sie erfüllt damit Verpflichtungen aus dem internationalen „Übereinkommen über die biologische Vielfalt“, dem Deutschland 1993 beigetreten ist.

Die NBS verfolgt das Ziel, den anhaltenden Verlust an biologischer Vielfalt durch Schutz und nachhaltige Nutzung aufzuhalten. Möglichst viele gesellschaftliche Gruppen sollen für dieses Ziel gewonnen werden.

Wälder mit natürlicher Entwicklung (kurz: NWE) spielen in der NBS eine wichtige Rolle. Sie dienen dem Schutz und der Wiederherstellung der natürlichen Waldlebensgemeinschaften.

Was sind Wälder mit natürlicher Entwicklung (NWE)?
Unter Wäldern mit natürlicher Entwicklung werden alle Waldbestände und waldfähigen Flächen mit einer Größe von mehr als 0,3 Hektar verstanden, die sich dauerhaft und verbindlich gesichert eigendynamisch entwickeln können. Sowohl forstwirtschaftliche Eingriffe als auch naturschutzfachliche Pflegemaßnahmen sind auf diesen Flächen grundsätzlich ausgeschlossen.

Welche Flächenanteile sollen Wälder mit natürlicher Entwicklung erreichen?
Nach der NBS sollen Wälder mit natürlicher Entwicklung bis 2020 5 % der gesamten deutschen Waldfläche bzw. 10 % der Waldfläche der öffentlichen Hand des Bundes, der Länder und Kommunen ausmachen.“

Dieser bunt markierte Teil des Steinbeckforstes ist eine der Waldflächen, die sich natürlich entwickeln soll (NWE), siehe Karte.

Der Steinbecktrail führt zum Teil hindurch bzw. am rechten Rand entlang.

Ich habe diesen und die anderen durch das Gebiet führende Wege bei Openstreetmap.org (OSM) als gesperrt markiert.

Training zu Zeiten von COVID-19

Martin erkundigte sich, ob wir trotz des in Niedersachsen geltenden Kontaktverbots mit mehr als 2 Personen Radsport betreiben, also gemeinsam trainieren dürfen.

Als Antwort erhielt er ein Schreiben des niedersächsischen Ministeriums für Inneres und Sport an die Arbeitsgemeinschaft der kommunalen Spitzenverbände, in dem es u.a. heißt:

„Die Landesregierung wird mit der nächsten Änderungsverordnung zum 06.05.2020 das Sporttreiben auf öffentlichen und privaten Freiluftsportanlagen in Niedersachsen wieder möglich machen.
Abweichend von der generellen Schließung der öffentlichen und privaten Sportanlagen, sollen der Betrieb und die Nutzung öffentlicher und privater Sportanlagen im Freien zur Ausübung von kontaktlosem Sport möglich sein. Voraussetzung dafür ist, dass jede Person ständig einen Abstand von mindestens 2 Metern zu anderen Personen einhält.“

und weiter:

„Zu beschreiben, wie die Ausübung von Sport unter diesen Bedingungen konkret aussehen kann, ist Aufgabe des organisierten Sports. Der DOSB hat deshalb mit seinen Fachverbänden und Landessportbünden bereits für praktisch alle Sportarten entsprechende Konzepten ausgearbeitet.“ Siehe dazu die „Zehn Leitplanken des DOSB„.

Wir interpretieren das so, dass wir die öffentliche „Freiluftsportanlage“ Straße in der Gruppe nutzen dürfen, sofern wir mindestens 2 Meter Abstand einhalten.

Das ist doch was. Wir fahren wieder! 🙂